Kinderbrillen - auf was sollte ich achten?

 

Kinder tollen herum und vor allem die Kleinsten stürzen schon einmal, stoßen sich noch öfter und das auch dann, wenn man gar nicht damit rechnet. Sie sind ja auch noch gar nicht in der Lage wie ein Erwachsener Acht zu geben. Das bedeutet, dass für eine Kinderbrille ganz besonders hohe Sicherheitsanforderungen gelten müssen. Das gilt nicht nur für die Brillenfassung, sondern im ganz besonderen Maß auch für die Brillengläser der Kinderbrille.



WELCHE BRILLENGLÄSER?

Möglichst bruchbeständig sollten die Gläser einer Kinderrille sein und leicht. Kunststoffgläser erfüllen diese Kriterien. Sie sind zwar nicht völlig „unkaputtbar“, aber wenn sie dann doch mal brechen sollten, produzieren sie dabei keine scharfkantigen Splitter. Absolut bruchfest sind nur Brillengläser aus Polycarbonat, wie sie auch für Spor- und Arbeitsbrillen für Erwachsene verwendet werden.

Bei höheren Glasstärken sind auch hochbrechende Kunststoffmaterialien für die Brillengläser verwendbar, die das Gewicht und die Dicke der Brillengläser herabsetzen und damit die kleinen Nasen deutlich entlasten. Generell werden Gläser für die Kinderbrille nicht so dick und schwer wie Brillen für Erwachsene, da die Fassungen bedeutend kleinere Formen haben, und kleinere Gläser sind nun einmal leichter.

 

Für kleinere Kinder ist eine Entspiegelung der Gläser nicht unbedingt notwendig. Wichtiger wäre da eine Hartschicht (Lackhärtung), da Kunststoffbrillengläser durch ihre geringere Oberflächenhärte leicht verkratzen. Für Schulkinder hingegen kann eine Entspiegelung durchaus sinnvoll sein.

 

Die Entspiegelung der Gläser nämlich vermindert störende Lichtreflexe auf den Brillengläsern. Durch diese Reflexe ist die Lichtdurchlässigkeit der Gläser herabgesetzt. Das Sehen und Lesen besonders unter künstlicher Beleuchtung ist angenehmer, auch sind die Augen deutlich sichtbar und das ist für allem für ältere Kinder wichtig.

 

Getönte Gläser mit Tönungen im Filterbereich sind für die Kinderbrille nicht nötig. Wohl aber nötig ist für Kinder – genauso wie für Erwachsene – der Sonnen- und UV-Schutz einer Sonnenbrille für Ihre Kinder.

 

WELCHE FASSUNG / "GESTELL"?

 

Eine Bitte gleich am Anfang, bevor Sie mit Ihrem Kind den Augenoptiker Ihres Vertrauens aufsuchen. Schlagen Sie nicht die Hände über dem Kopf zusammen und jammern Sie nicht „Oh Gott, unser Kind muss eine Brille tragen – wie schrecklich!“ Machen Sie Ihrem Kind die Brille schmackhaft und sagen Sie lieber etwas wie: „Stell Dir mal vor, Du bekommst jetzt eine Brille, toll, nicht? Wollen wir jetzt zum Optiker gehen und die tollste Brille für die aussuchen, die er hat?“.

 

Am einfachsten haben es Eltern, die selbst Brillenträger sind. Doch widerstehen Sie dem Gedanken Ihr Kind vor allem modisch auszustatten. Lassen Sie Ihr Kind ruhig erst einmal in der Spielecke, dann kann Ihr Augenoptiker Sie in aller Ruhe ausführlich beraten. Für kleine Kinder ist es eher wichtig, dass die Brille schön bunt ist, für ältere Kinder wird der Modeaspekt wichtiger. Kinderbrillen müssen ganz anderen Ansprüchen genügen als Erwachsenenbrillen. Sie müssen fest sitzen, sollen möglichst leicht sein, das Gewicht möglichst breit verteilen und so manchen Knuff vertragen.

 

Verlieren Sie also beim Aussuchen nie aus den Augen, dass Sie keine Erwachsenenbrille, sondern eine Kinderbrille aussuchen, und die sollte unbedingt bestimmten immer auch altersabhängigen Kriterien genügen.

 

Für Kinderbrillen kommen sowohl Metall- als auch Kunststofffassungen in Frage. Metallfassungen aus Titan oder Edelstahl sind dünnrandig, leicht und flexibel. Dazu sind sie von Haus aus gut für Allergiker geeignet. Spezielle Beschichtungen schließen allergische Reaktionen ganz aus. Scharniere oder hervortretenden Verschraubungen sollten aus Sicherheitsgründen von Kunststoff- oder Silikonkappe abgedeckt werden. Kunststoffkappen sind starrer und robust, Silikonkappen haben den Vorteil antiallergen zu wirken. Die Nasenauflage sollte bei Metallfassungen aus Silikon-Nasenpads oder noch besser Schlaufenstegen, die ideal anpassbar sind.

 

Bei den Kleinsten sind Blockstege aus Silikon meist ideal. Diese Blocksteh wie auch die Schlaufenstege, die auch Sattelstege genannt werden, haben den Vorteil, dass sie den Druck der Brille gleichmäßig auf den Nasenrücken verteilen. Wegen der besseren Anpassbarkeit haben auch viele Kunststoffbrillen solche Nasenauflagen. Achten Sie darauf, dass die Bügel der Fassung weiter um die Ohrenmuschel herumführen, als das bei einer Erwachsenenbrille der Fall ist, also bis hinunter zum Ohrläppchen. Diese Bügel sind den Sportbügeln bei Sportbrillen für Erwachsene ganz ähnlich.

 

Besonders wichtig ist auch die Größe der Kinderbrillenfassung. Deren Auswahlkriterien unterliegen bis zur Pubertät anderen Kriterien als bei Erwachsenen. Besonders wichtig ist es, die Fassungsgröße dem Gesicht Ihres Kindes entsprechend zu wählen. Sie sollte in der Senkrechten oben nicht über den Unterrand der Augenbrauen, unten nicht über den Übergang zwischen Lid und Wange und außen seitlich nicht über den Schläfenrand hinausragen. Der Mittenabstand der Fassung sollte in etwa dem Augenabstand (Pupillendistanz) entsprechen. Immer sollten Sie auch darauf achten, dass die Brille nicht unten auf den Wangen aufliegt, das könnte zu Hautirritationen führen.

 

Für Babybrillen gelten spezielle Regeln.

 

 

KINDERBRILLEN KOSTEN?

 

Brillen gehören nicht mehr zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Die gute Nachricht: Für Kinderbrillen zahlen die gesetzlichen Krankenkassen noch Zuschüsse gemäß Sozialgesetzbuch: §33 Hilfsmittel (Sehhilfen).

 

Bei Kindern bis zum 14. Lebensjahr werden von den Krankenkassen die Kosten für eine Brille übernommen, sofern sich ohne diese Sehhilfe eine spätere Verschlechterung der Sehkraft abzeichnet, was fast immer der Fall ist. Für die Schule und Schulsport übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen auch die Zusatzkosten für Kunststoffgläser.

 

Was die Gläser betrifft wird also bei Kindern die Grundversorgung mit einfachen Kunststoffgläsern durch die Festbeträge der Krankenkassen abgedeckt. Eine Hartschicht für die Kunststoffgläser ist pro Glas ab € 10 zu haben.

 

Zur Fassung zahlt die Krankenkasse nichts dazu. Der Fassungspreis hängt ganz davon ab, was für ein Modell und welches Fassungsmaterial Sie wählen. Vom Nulltarif bis zu 200 Euro ist alles drin.

 

 

WEITERE BETREUUNG/KONTROLLE

 

Eine gute Kinderbrille verträgt so manchen Knuff. Trotzdem: Es kann schon mal zu einem Schaden kommen, die Brille ist verbogen, ein Glas zerkratzt, ein die Scharniere schützendes Silikonteil ist zerrissen. Niemand ist da begeistert, doch schimpfen sie nicht mit Ihrem Kind, das führt eher dazu, dass es die Brille künftig beim Herumtoben absetzt.

 

Wenden Sie sich an den Augenoptiker Ihres Vertrauens, der meist schnell helfen kann, denn viele Schäden sehen schlimmer aus, als sie sind. Doch auch größere Schäden wird er binnen kurzer Zeit beheben können – Totalschäden sind auch bei Kinderbrillen selten.

Vor allem aber nehme Sie es ernst, wenn Ihr Kind quängelt, dass die Brille ihm weh tut. Gehen Sie bitte zum Augenoptiker, der die Brille schnell und sorgfältig wieder richtet. Dazu kann er die Brille professionell reinigen. Bedenken Sie bitte auch, dass Ihr Kind wächst, da muss schon einmal etwas nachjustiert werden. Schauen Sie also am besten öfter mal vorbei, Ihr Augenoptiker kümmert sich gern um die Kinderbrille und deren optimalen Sitz.

 

 

TIPPS FÜR DEN KAUF EINER KINDERBRILLE

 

Eine Voraussetzung sollten Sie als Eltern unbedingt mitbringen, damit Ihre Kind die Brille annimmt: eine positive Einstellung zur Brille. Wenn Sie Ihrem Kind die Brille als Makel, persönliche Katastrophe oder ähnlich negativ darstellen, wird Ihre Kind die Brille ablehnen. Sagen Sie Ihrem Kind bitte daher auch nicht, die Brille müsse es ja nur kurze Zeit tragen und auch nicht immer. Empfindet Ihr Kind die Brille als etwas Tolles, wird es etwaigen Hänseleien stärker gegenübertreten. Zudem trägt heute bereits jedes fünfte Kind eine Brille, Tendenz steigend – Kinderbrillen sind also etwas Normales.

 

Führen Sie Ihr Kind bei der Brillenauswahl, es hat noch nicht das Wissen, selbst zu entscheiden, welche Brillenfassung es nun sein soll. Berücksichtigen Sie also bei der Auswahl zunächst die Kriterien, die eine Kinderbrille erfüllen soll und lassen Sie sich von Ihrem Augenoptiker möglichst nur solche Fassungen in der passenden Größe vorlegen.

 

Diese Punkte sollten Sie unbedingt im Auge haben bei der Fassungsauswahl beim Augenoptiker:

Kinderbrillen müssen unzerbrechlich, leicht, flexibel und besonders robust sein.

Fassungen für Kinder müssen optimal anpassbar sein.

Fassungen für Kinder müssen weiche, druckentlastende Nasenauflage haben und anschmiegsame Bügelenden haben, die bis zum Ohrläppchen reichen. 

Kinderbrillen sollten Gläser aus Kunststoff oder besser noch Polycarbonat haben.

Kindersonnenbrillen: Auch Ihr Kind ist vor allem im Urlaub dem Sonnenlicht ausgesetzt und braucht eine Sonnenbrille mit vollem UV-Schutz und entsprechendem Tönungsgrad.

 

Erst, wenn solche Fassungen vorausgewählt sind, beziehen Sie Ihr Kind mit in die Auswahl ein, besprechen Sie die Lieblingsfarben und lassen es eine Fassung auswählen, die es besonders mag. Sie als Eltern kennen ja Ihr Kind am besten und werden die Mitbestimmung da sicher altersgemäß regeln.

Eltern sollten sich bei der Auswahl der richtigen Kinderbrille von einem spezialisierten Kinderoptometristen beraten lassen.

 

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